Jörg Kerschberger - Underwriter Luftfahrtversicherung
Zeitzeugeninterview

Seit wann bist du bei Delvag tätig und wie sah dein Karriereweg bisher bei uns aus?

Ich bin seit 2003 bei Delvag, also 21 Jahre. Mein bisheriger Karriereweg lief andersherum, als gewöhnlich. Viele Underwriter starten im Bereich „General Aviation“, also bei den etwas kleineren Flugzeugen um dort das „kleine Einmaleins“ der Luftfahrtversicherung zu lernen und wechseln später in den „Flottenbereich“, also in den Bereich, in dem Airlines versichert werden. Bei mir war der Weg genau andersherum. 

Was sind deine Aufgaben und die Aufgaben deiner Abteilung?  

Wir versichern vor allem die kleinen Privatmaschinen - unter anderem aus dem Bereich der Sportfliegerei. Es sind aber oft auch kleine Business-Jets von mittelständischen Unternehmen dabei. Einer unserer größeren Kunden betreibt eine Flotte mit Ambulanzjets. Das sind Flugzeuge, die speziell medizinisch ausgestattet sind und für den Krankentransport aus dem Ausland eingesetzt werden.

Jörg Kerschberger

Gab es in den letzten Jahren einen Versicherungsfall, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Als der Ukrainekrieg losging, wollte einer unserer Kunden aktiv werden und mit seiner privaten Maschine Hilfsgüter in die Ukraine fliegen. Der Transport von Gütern in eine Krisenregion war jedoch von seinem Versicherungsschutz ausgeschlossen. Wir wollten sein Vorhaben auf jeden Fall unterstützen. Nach Prüfung der vom Kunden eingeplanten Zielflughäfen, haben wir uns dann darauf geeinigt, dass ein Flughafen in Polen nahe der ukrainischen Grenze angeflogen wird und das Flugzeug unmittelbar nach dem Entladen wieder den Rückflug antritt. Vom Flughafen in Polen wurden die Hilfsgüter dann auf dem Straßenweg weiter in die Ukraine transportiert. So konnten wir das Vorhaben einerseits unterstützen und trotzdem das Risiko für den Piloten und uns überschaubar halten.

Mit welchen Herausforderungen wird deine Abteilung in den nächsten Jahren voraussichtlich beschäftigt sein? 

Oft wird vorhergesagt, dass der General Aviation-Markt zukünftig abnehmen wird. Aber wir sehen hier eine eher gegensätzliche Tendenz, denn es spielen nicht nur Aspekte wie Nachhaltigkeitsfaktoren und hohe Kerosinpreise eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Markts. Im Gegenteil verzeichnen wir eher einen Anstieg an Privatmaschinen. Vor allem in Zeiten hoher Inflationsraten war die steigende Anzahl auffällig. Wir nehmen an, dass das daran liegt, dass Privatflugzeuge oft auch als Wertanlage gekauft werden, da diese – sofern sie gut gepflegt und gewartet werden - in ihrem Preis sehr stabil sind. Über ein paar Jahre gibt es kaum einen Wertverlust bzw. teilweise sogar eine Wertsteigerung. Die Nachfrage nach bestimmten Modellen ist hier im Moment einfach größer als das Angebot.   

Was ist das Besondere bei Delvag im Vergleich zu anderen Versicherern? 

Die große Besonderheit von Delvag ist, dass sie Teil des Lufthansa-Konzerns ist. Dadurch haben wir eine intensivere Verbindung zur Luftfahrt als andere Versicherer. Diese Captive-Funktion macht uns besonders und war für mich der Grund, zur Delvag zu kommen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir ein recht kleiner Versicherer sind. Es geht bei uns noch sehr familiär zu und jeder kennt jeden. Das Zwischenmenschliche ist hier stark ausgeprägt und die Arbeitsmethoden sind sehr fortschrittlich. Während der Pandemie waren wir technisch super ausgestattet und untereinander gut vernetzt. Die Arbeitsumgebung und die Möglichkeit, deutschlandweit aus dem Homeoffice arbeiten zu können, ist für mich ein großer Benefit. 

Was würdest du jungen Kolleg:innen mit auf den Weg geben? 

Bei Delvag hat man die Möglichkeit, sich immer weiterzuentwickeln und in unterschiedliche Abteilungen und Bereiche hineinzuschnuppern. Das wird hier sehr gefördert. Deshalb rate ich unseren Auszubildenden immer, auch bei Delvag zu bleiben, wenn sie nicht direkt von ihrer bevorzugten Abteilung übernommen werden. Entwicklungsmöglichkeiten gibt es bei und danach noch genug.

Vielen Dank Jörg Kerschberger für deine Zeit und das Gespräch. 

 

Das Interview führte Tamara Gmelin, Corporate Communications.