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Meet our experts: Sabine Rittmeyer // Geld- und Wertransport (GWT)

Interview // 05.02.2021

In unserer Serie „Meet our experts“ stellen wir Ihnen regelmäßig unsere Expert*innen aus allen Bereichen der Delvag Gruppe vor. Dieses Mal: Sabine Rittmeyer, Underwriterin Transportversicherung und Referentin im Bereich Geld- und Werttransport (GWT). Sie spricht im Interview über die Absicherung und Schadenverhütung bei Geld- und Werttransporten, Einschäumen von Tätern und umgeknickte Knöchel.

Frau Rittmeyer, immer wieder machen Überfälle auf Geld- und Werttransporter Schlagzeilen. Jüngst wieder in Berlin oder noch spektakulärer Anfang 2020 mit brennenden Barrikaden in Italien. Sind solche Fälle überhaupt versicherbar?
Ja, das stimmt, derzeit machen wir die Erfahrung, dass die Übergriffe auf Geld- und Werttransporter immer neue Dimensionen annehmen und zum Teil immer brutaler werden. Teilweise gleichen die Fälle dann schon mal Szenen aus einem Hollywoodfilm. Versicherbar sind Geld- und Werttransporte natürlich und werden es auch bleiben. Aus Versicherer-Sicht ist es natürlich interessant, dass es erst gar nicht zu einem Schaden kommt. Die Transporte und damit auch das Personal und die Ware müssen so gut geschützt sein, dass es für die Täter uninteressant wird. Deswegen konzentrieren wir uns beim Thema Schadenverhütung und Weiterentwicklung vor allem auf die entsprechende Sicherheitstechnik.

Mit welchen Risiken sehen sich die Sicherheitsunternehmen und Versicherer konfrontiert?
Ein großes Risiko ist natürlich nach wie vor der Raubüberfall. Diese finden oft aber nicht immer bewaffnet statt. In diesem Zusammenhang spielt auch das Risiko der Geiselnahme eine Rolle. Hier sind es genauso wie beim Schusswaffengebrauch vor allem psychologische Belastungen, denen die Fahrer ausgesetzt sind. Darüber hinaus sind es aber auch vielfältige Themen, die über diese „klassischen“ Risiken hinausgehen. Das Thema Stressbelastung und Übermüdung der Fahrer spielt zunehmend eine Rolle, auch Verkehrsunfälle oder Verletzungen durch falsches Heben oder einen umgeknickten Knöchel kommen häufiger vor als man denkt. Denn gerade Münzgeld ist schwer und verlangt dem Sicherheitspersonal körperlich einiges ab.

Stichwort Schadenverhütung. Das Vorgehen der Täter wirkt oft unberechenbar und vom Schusswaffengebrauch bis zum umgeknickten Knöchel ist eine ganz schöne Brandbreite. Welche Möglichkeiten zur Schadenverhütung oder Prävention gibt es?
Ganz vermeiden lassen werden sich die Überfälle nie. Denn das Geld ist da und weckt natürlich Begehrlichkeiten. In erster Linie geht es darum, bei einem Überfall Zeit zu gewinnen und es den Tätern schwer zu machen. Ein großer Knackpunkt ist zum Beispiel der Transport des Geldes vom Geschäft zum Transporter. Hier gab es in letzter Zeit vermehrt Überfälle mit Pfefferspray. In Konsequenz wird das Personal nun unter anderem mit speziellen Visieren ausgerüstet, die Ihnen helfen, den Angriff abzuwehren.

Im Kern geht es einfach darum, in Bewegung zu bleiben und sich gemeinsam proaktiv weiterzuentwickeln. Denn auch die Täter rüsten weiter auf. Hier setzen wir auf ein enges Zusammenspiel aus uns als Versicherer, speziellen Gutachtern und unseren Kunden. Jeder versuchte Überfall wird vor Ort ausgewertet und analysiert. Von verdeckten Observationen im Alltag auf Basis derer später das Personal geschult wird, über Geldkoffer mit GPS oder Einfärbe-Systemen bis hin zu speziellen Materialien für die Transporter wird alles weiterentwickelt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern spielt in Deutschland aber auch der Täterschutz eine große Rolle. Bei manchen Kunden in Europa sind bereits spezielle Schaumsysteme im Einsatz, die bei einem Überfall den kompletten Innenraum und damit auch die Täter kniehoch mit blitzschnell aushärtendem Schaum ausschäumen. In Deutschland ist das noch nicht möglich. Es wird aber auch noch viel Bewegung in diesem Bereich erwartet.

Wie schätzen Sie aktuell den Markt im GWT-Bereich ein?
Wir sehen auch im Markt aktuell viel Bewegung. Es gibt Versicherer, die aus dem Geld- und Werttransport-Geschäft aussteigen, da Sie sich das Risiko nicht mehr zutrauen. Dadurch haben in wir jüngster Zeit auch einige neue Kunden bekommen. Grundsätzlich sind wir in dieser Nische mit über 20 Jahren gut etabliert und pflegen langjährige persönliche Kontakte. Die meisten unserer Kunden begleiten wir schon seit über 15 Jahren und schätzen auf beiden Seiten den regelmäßigen Austausch und die gemeinsame Entwicklung.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über Sabine Rittmeyer
Sabine Rittmeyer ist seit fast 20 Jahren bei Delvag. Als Underwriterin bzw. Referent Geld- und Werttransport im Bereich Transportversicherung verantwortet Sie aktuell unter anderem die Bereich Jewellers‘ Block mit Fokus Hong Kong sowie Geld- und Werttransporte für insbesondere Deutschland und Italien und zum Teil auch weltweit. Mit umgeknickten Knöcheln hat Sabine trotz Ihrer Laufbegeisterung weniger zu tun. Denn dort läuft sie trittsicher Ihre Runden und engagiert sich auch in der Laufsparte des Lufthansa Sport Vereins. Während ihrer Freizeit taucht sie auch gerne ab und genießt beim Tauchsport die Unterwasserwelt.


Von Philipp Schmid
Unternehmenskommunikation Delvag
kommunikation@delvag.de